DSC00658Die Wertschätzung des Waldes

Partizipative Fotografie in Bolivien

Die Alto Beni Region in Bolivien ist Heimat der Mosetene Indigenen. Im Zuge von andinen Umsiedlungsprojekten in den 1980er Jahren, wurden viele Quechua Indigene aus dem bolivianischen Hochland in dieser Region seßhaft.
bol33_02Durch die stärkere Zersiedelung der gesamten Gegend nahm der Druck auf den Wald zu. Der mit der Besiedelung einhergehende Strassenbau, eröffnete Holzdieben die Möglichkeit, im grossen Stil Wald zu roden. Unzufrieden mit diesen Entwicklungen, entstanden in den 1990er Jahren die Organisation OPIM (Organicacion de los Pueblos Indigenas Moseten – Organisation de Mostene Indigen) und später OMIM (Organicacion de los Mujeres Indigenas Moseten – Organisation der Mosetene Frauen). bol_d_01_013Im Rahmen der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit gründete sich bereits früher die Kakao Kooperative El Ceibo mit ihrem forstlichen Beratungsprogram PIAF. Um eine bessere Zusammenarbeit zwischen Mosetene und Quechua Indigenen zu erreichen, und um den bolivianischen Land- und Forstgesetzgebungen zu entsprechen, wurde die Entwicklung eines Forstbewirtschaftungsplan (Plan General de Manejo Forestal- PGMF) gestartet. Oliver1Im Zuge dieses Entwicklungsplans wurden Sozio-Ökonomische Anlysen durchgeführt, um die Lebensumstände und die Bedeutung des Waldes für die Alto Beni Bewohner zu evaluieren. Die gerechte Verteilung der Ressource Wald, als auch die zukünftige nachhaltige Bewirtschaftung sollen damit sichergestellt werden.

Beispielhafte Ergebnisse der sozio-ökonomischen Umfragen belegen, dass 98% aller Teilnehmer das Gefühl haben, dass Tierarten aus ihren Wäldern verschwinden. 88% sehen ebenso einen Artenschwund unter den Waldbäumen. 48% der Männer empfinden, dass Konflikte um die Landnutzung zugenommen haben, wobei nur 14 % der Frauen Konflikte empfinden. DSC00767Allerdings fühlen sich 50% der Mosetene Frauen insgesamt nicht
an den Entscheidungen bezüglich des Forstmanagements beteiligt. Insgesamt 32% der Teilnehmer sehen in den Problemen vor allem einen Konflikt mit Dritten (z.B. externen Forstbetrieben). 50% der Frauen und 65% der Männer glauben, dass mit der zukünftig stärkeren Forstnutzung ihre Kultur starken Veränderungen unterworfen sein wird. 73% aller Befragten meinen Auswirkungen zugenommener Erosion auf forstlichen und landwirtschaftlichen Flächen deutlich spüren zu können. 83% fürchten darüberhinaus, dass durch die stärkere Forstnutzung eine Veränderung des Klimas in ihrer Region stattfinden könnte.

DSC00671Um die empirisch quantitativen Aussagen durch qualitative Bewertungen zu begleiten, wurde zusätzlich zu den sozio-ökonomischen Umfragen, die Methodik der partizipativen Fotografie als Monitoring-Instrument angewandt.
Interessierte Teilnehmer aus der gesamten Region wurden aufgefordert, unter der Fragestellung: “Was bedeuted mir der Wald?”, eine kleine Fotoreportage bezüglich ihrer persönlichen Lebenssituation zu erstellen. DSC00684Die Bilder wurden später zusammengetragen und von den Teilnehmern vorgestellt und
diskutiert. Während einer Tagung zur “Zukunft der Indigenen Bevölkerung Boliviens” in La Paz 2003, wurden diese Bildgeschichten in einer Ausstellung vor Stakeholdern der Politik und der breiten Öffentlichkeit präsentiert und erhielten grossen Zuspruch aufgrund ihres qualitativ informativen Charakters
über die Situation der Indigenen im Alto Beni Tal.

 

Einige Stimmen aus dem Buch

vivero S.J.4“Der Wald gibt uns Arbeit. Hier in der Baumschule sammeln wir die Samen der besten Bäume in der Region und erhalten so die genetische Vielfalt. Die fertigen Setzlinge werden von uns ausgepflanzt oder den Forst Rangern von OPIM übergeben. Das Sammeln der Samen ist schweißtreibende Arbeit. Wir klettern in die Bäume und anschliessend werden die Früchte vom Fruchtfleisch getrennt, damit die Samen nicht verschimmeln. Die
getrockneten Samen bewahren wir in unserer Samenbank auf, wo sie lange haltbar sind.”

portait teilnehmer jonnyJonny
Forsttechniker PIAF
Einwohner von Sapecho

 

 

 

bol41_09“Wir nutzten den Wald schon immer. Als Rohstoff für unsere Häuser und zur Jagd. Unser Leben hängt vom Wald ab. Aber wir wollen nicht, dass externe Forstbetriebe unseren Wald ausbeuten. Wir wollen ihn schonend und nachhaltig nutzen und das Holz lokal verarbeiten. Wir arbeiten darum eng mit den Technikern von PIAF zusammen. Leider gibt es immer wieder Konflikte und Holzdiebstahl. Wir Ranger pflanzen für jeden gefällten Baum drei neue Setzlinge, die wir aus der Baumschule von PIAF bekommen. Die Holzdiebe zerstören alles ohne Rücksicht und sorgen sich nicht um die Zukunft unserer Region.”

Portrait TeilnehmerPlacido
Forst Ranger OPIM
Mosetene
Einwohner von St Ana

 

 

bol29_02“Neuerdings verdienen wir unser eigenes Geld mit dem Einkochen von Fruchtmarmelade. Früher konnten wir das saisonale Obst nicht gut verkaufen oder haben auf den lokalen Märkten nur einen sehr geringen Preis bekommen. Jetzt kochen wir Marmelade und verkaufen sie bis nach La Paz. Jetzt wo wir was verdienen, akzeptieren die Männer viel eher das wir Frauen uns in einer Kooperative zusammenschliessen. Die meisten Früchte wachsen in Agroforstparzellen auf unseren Flächen. Viele Früchte sammeln wir aber auch direkt im Wald. Der Wald hat daher eine grosse Bedeutung für uns, ohne die Baume auf unseren Feldern und somit ohne Überschattung würde es auf den Feldern viel zu warm für einige Fruchtsorten, aber auch zum Arbeiten wäre es zu heiß. Im Wald oder in den Agroforstparzellen ist das Klima angenehmer.”

Portrait TeilnehmerSerafina
Präsidentin OMIM
Mosetene
Einwohnerin von St. Pedro

 

 

 

Deckblatt Partizipative Fotografie in Bolivien-1

 

 

 

 

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Diese Projekt entstand in Kooperation mit dem

Deutschen Entwicklungsdienst und dem Centro de Formacion y Realizacion Cinematografica in Bolivien

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